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Recht / Zivilrecht 
Donnerstag, 04.01.2018

Bei Buchung einer Ersatzreise keine Auswirkung auf Entschädigungsanspruch wegen vertaner Urlaubszeit

Wenn ein Reisender berechtigt eine Reise kündigt und stattdessen eine Ersatzreise bei einem anderen Reiseveranstalter bucht, hat dies keine Auswirkung auf seinen Entschädigungsanspruch wegen vertaner Urlaubszeit. Umstände außerhalb der konkret gebuchten Reise hätten auch keinen Einfluss auf die Entschädigungshöhe. So entschied das Landgericht Köln (Az. 11 S 117/16).

Im vorliegenden Fall erfuhren zwei Urlauberinnen von ihrer Reiseveranstalterin ca. zwei Wochen vor einer geplanten Reise auf die Malediven, dass der Rückflug zwei Tage früher stattfinden werde. Zudem sei auf dem Hinflug nunmehr eine Übernachtung in Muscat eingeplant. Die Urlauberinnen hielten dies für unzumutbar, kündigten den Reisevertrag und buchten bei einem anderen Reiseveranstalter eine Ersatzreise auf die Malediven. Die Reiseveranstalterin ersetzte zunächst nur die dadurch entstandenen Mehrkosten. Die Urlauberinnen erhoben daraufhin Klage auf Zahlung einer Entschädigung in Höhe von 50 % des Reisepreises wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit. Sie bekamen in erster Instanz teilweise Recht. Zwar lasse die Ersatzreise den Entschädigungsanspruch wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit nicht entfallen, jedoch sei eine Entschädigung nur wegen der Anstrengungen, eine Ersatzreise zu finden, zu gewähren. Insoweit sei ein Betrag von jeweils 250 Euro angemessen. Es stelle einen für die Entschädigungshöhe ins Gewicht fallenden Umstand dar, ob ein Reisender die geplante Urlaubszeit zu Hause oder bei der Arbeit oder auf einer anderen der Erholung dienenden Reise verbringe. Gegen diese Entscheidung legten die Klägerinnen Berufung ein.

Das Landgericht hielt die Berufung für teilweise begründet, jedoch eine Entschädigung von nur 30 % für angemessen. Die Ersatzreise habe keinen Einfluss auf die Entschädigungshöhe, denn dieser Anspruch stelle maßgeblich darauf ab, dass die konkrete vom Reisenden gebuchte Reise nicht oder nicht vollständig durchgeführt werden könne. Daher hätten außerhalb der konkret gebuchten Reise entstehende Umstände keinen Einfluss auf die Höhe der Entschädigung. Angesichts dessen, dass die Urlauberinnen die Reise für acht der zehn Tage hätten durchführen können, sei eine Entschädigung nur in Höhe von 30 % des Reisepreises (jeweils 993,30 Euro) angemessen. Der Antritt der Reise sei nicht komplett nutz- oder sinnlos gewesen. Angesichts der bereits zuerkannten 250 Euro stünden den beiden Urlauberinnen somit noch jeweils 718,30 Euro zu.

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